Tagebuch: Tag 2 oder Pannen über Pannen

Tagebuch: Tag 2 oder Pannen über Pannen

Am gestrigen Abend die Hiobsbotschaft: Der Wagen lud in den Abendstunden nur mit 70 Watt, ein Bruchteil der erwarteten Leistung. Dies erklärte auch den niedrigen Batteriestand, den wir nicht so am Ende des ersten Tages bei unserer Geschwindigkeit erwartet hatten. Die Lösung wurde erst in den frühen Morgenstunden gefunden: Nachdem viele komplizierte Herleitungen des Problems durchdacht wurden, war es im Endeffekt nichts weiter als ein Wackelkontakt. Dieser hatte zur Folge, dass teilweise auch während der Fahrt nur ein Teil der Solarzellen Leistung zur Verfügung stand. Sehr ärgerlich! Das Problem wurde schnell behoben, und der Huawei Sonnenwagen war wieder pünktlich auf der Straße.

Dank der rechtzeitigen Reparatur war die Stimmung im Team hervorragend. Die Sonne schien fleißig und wir konnten nahezu batterieneutral fahren. Und das schon in den Morgenstunden. Kurz nach dem Control Stop kam der nächste Schockmoment. Der Fahrer funkte, dass der Motor sich abgestellt hat und nicht mehr angeht. Nun hieß es: Ruhig bleiben und die erprobten Abläufe für den Notfall einhalten. Das gelang sehr gut. Der Fehler war sofort identifziert. Der AC-DC Wandler funktionierte nicht, genauer gesagt war das zugehörige Kabel durchgebrochen. Die benötigte Reparatur dauerte knapp 15 Minuten und schon war der Huawei Sonnenwagen wieder auf der Straße.

Nicht nur unser Solarfahrzeug, auch eines unserer Begleitfahrzeuge musste heute eine Pause am Straßenrand einlegen. Bereits kurz nach der Abfahrt vom ersten Campingplatz hatte das Fahrzeug des Marketing-Teams einen Platten. Aber kein Problem für uns Ingenieure! Schnell wurde der Ersatzreifen ausgepackt und der platte Reifen ersetzt. Auf zum Mechaniker! Nur den Luxus deutscher Großstädte hat man hier im Outback natürlich nicht. An der nächsten Tankstelle auf dem Stuart Highway war der einzige Mechaniker bereits den ganzen Tag unterwegs. Also 100km weiter mit leider nur 80 km/h. In der kleinen Stadt Elliott haben wir schließlich einen Workshop gefunden. Der alte Herr, der diesen alleine leitete, arbeitete dort schon seit 47 Jahren als Mechaniker. „Der nächste Ort hat 3000 Einwohner. Das sind mir zu viele Menschen.“ Ob es seine lange Erfahrung oder vielleicht doch das lokale Monopol auf Fahrzeugreparaturen war: Der Reifenwechsel war auf jeden Fall teuer!

Etwas Ähnliches passierte unserem Anhänger. Wir hatten zwar alle Ersatzteile dabei, doch fehlte uns die richtige Nuss, um den Reifen zu wechseln. Ein Glück, dass auf dem Stuart Highway viele Teams mit sehr vielen Begleitfahrzeugen unterwegs sind. Unsere Freunde vom Lodz Solar Team haben uns am Straßenrand gesehen, angehalten und das richtige Werkzeug dabei gehabt. Die Jungs und Mädels waren begeistert, dass wir kühle Getränke dabeihatten, die wir natürlich gerne geteilt haben. Auch das sind schöne Momente der Bridgestone World Solar Challenge, abseits des klassischen Rennnbetriebs!

 

Doch wir lassen uns nicht unterkriegen, trotz Pannen und Verzögerungen haben wir ein gutes Stück geschafft und unser Solarfahrzeug scheint stabiler zu fahren, als unsere Begleitfahrzeuge. 9 Teams aus beiden Klassen (Challenger und Cruiser Class) mussten den offiziellen Wettbewerb bereits aufgeben und sind in die Adventure Class gewechselt. Wir haben nur ein Ziel: Adelaide so schnell wie möglich zu erreichen. Und davon wird uns niemand abhalten!