Tagebuch: Tag 4 – Von Unwettern und Emotionen

Tagebuch: Tag 4 – Von Unwettern und Emotionen

4:30 morgens. Schreie gellen durch das Camp. Es ist kühler als gewöhnlich. Zwar hatte es am Abend vorher noch geregnet, doch irgendetwas stimmte nicht. Wieder Schreie. Verschlafene Menschen in Unterwäsche kriechen aus ihren Zelten und versuchen sich ein Bild zu machen. „Helft hier am Wagen!“ hört man Hendrik rufen. Eine Gewitterfront ist über das Camp gezogen, es ist sehr stürmisch. Zwei Zelte müssen festgehalten werden, damit sie nicht wegfliegen. Der Huawei Sonnenwagen, zwar aufgrund des gestrigen Regens von einem Zelt geschützt, wird aufgrund der starken Winde trotzdem Nass. Das gesamte Team ist in Windeseile zur Stelle, sichert das Zelt und verlädt den Wagen in den Anhänger. Zelte werden abgebaut, damit sie nicht wegwehen. Alles in allem war es auf jeden Fall der schnellste Campabbau des Rennens bis jetzt. Und alle vom Team Sonnenwagen waren hellwach.

Pünktlich um 8 ging es wieder auf die Straße. Der Himmel immer noch komplett mit Wolken bedeckt. Den Control Stop in Alice Springs pünktlich um 12 zu erreichen erscheint immer unwahrscheinlicher. Mit geringer Geschwindigkeit fährt der Convoy über den Stuart Highway. Die Stimmung ist sehr angespannt, droht das Aus aus der Challenger Class? Dann kommt ein Security Car von der Rennleitung vorbei. „Fahrt links ran und wir unterhalten uns kurz.“ Das gesamte Team hört den Funkspruch über die Funkgeräte, ist geschockt und fährt links ran. Alles scheint vorbei! Doch wir haben gute Informationen darüber, dass das Wetter ab Alice Springs aufklären soll und nur noch ein paar Kilometer, bis es nur noch bergab geht. Die Security Officer lassen sich überzeugen, uns weiterfahren zu lassen. Das Team rennt zu ihren Autos und die Fahrt geht weiter, mit fast leerer Batterie.

Dann kommt die gute Nachricht, ein vorausfahrendes Begleitfahrzeug ist weit genug vorausgefahren, um wieder Internet zu bekommen. Auf Twitter liest man auf dem offiziellen Channel, dass der Control Stop noch 2,5 Stunden länger aufgehalten wird, um dem schlechten Wetter gerecht zu werden. Übrigens das schlechteste Wetter aller Zeiten bei einer World Solar Challenge Das Team ist in Hochstimmung, das schaffen wir locker. Und tatsächlich: Um 12:04 erreichen wir den Control Stop in Alice Springs. Der Fahrer Enno wird vom gesamten Supportteam bejubelt, wir haben eine weitere Etappe geschafft! Dabei haben wir unterwegs sogar das Team von Stanford überholt, dass sich entschieden hatte den Wagen einzuladen und auf dem Anhänger mitzunehmen.

Ab diesem Moment lief (fast) alles wie am Schnürchen. Der Himmel klarte auf, strahlender Sonnenschein. Teilweise fuhren wir 65 km/h und konnten die Batterie dennoch weiter laden. Die schlechte Stimmung am Morgen wich freudiger Erregung. Das Support Team, das noch Einkaufe erledigen musste, wunderte sich, dass trotz stundenlangen Fahrens mit 130 km/h der Convoy nicht eingeholt wurde. Am Nachmittag konnte man einen weiteren Überholvorgang einleiten, das Team GOKO wurde eingeholt! Eine weitere spannende Anekdote: Unterwegs wurden wir von einem Roadtrain mit interessanter Ladung überholt: Ein Kampfpanzer fuhr an unserem Huawei Sonnenwagen vorbei.

Gegen 17 Uhr war der Himmel von langen Wolkenblöcken gezeichnet, die sich mit klarem Himmel abwechselten. Wo sollte man halten, um die Sonne noch maximal nutzen zu können? Im Endeffekt wurde eine Impulsentscheidung getroffen und die Batterie nochmal ordentlich geladen. Damit kann es morgen weitergehen! Und die Vorhersage ist auch perfekt, damit schaffen wir es gerade so bis zum nächsten Control Stop, dessen Endzeit auch verlängert wurde. Aber für den Rest des Rennens heißt es weiter Bangen! Zum Abend gab es noch einen starken Schauer, den 15 unserer Jungs dazu genutzt haben, nach Tagen der Entsagung mal wieder zu duschen. Das Kochteam belohnte uns darüber hinaus noch mit einem BBQ, unter anderem mit Kamel-, Känguruh und Krokodilsfleisch.

19 Teams sind bereits ausgeschieden. Tag 4 war bis jetzt auf jeden Fall der emotionalste und spannendste Tag. Vom Tiefpunkt am Morgen bis zur Hochlaune am Nachmittag, vom starken Gewitter über vorbeifahrende Panzer. Diesen Tag wird keiner von uns so schnell vergessen!