Vorstellungen der „Elektrotechnik“

Vorstellungen der „Elektrotechnik“

Kai Smit ist seit Anfang des Jahres neuer Leiter der Elektrotechnik-Abteilung. Zum Beginn der Entwicklungsphase haben wir ein Interview mit ihm geführt und ihn gefragt.

Hallo Kai, erzähl uns doch mal kurz von dir und wie du zu Sonnenwagen gekommen bist?

Hi, ich bin Kai, 23 Jahre alt, studiere Elektrotechnik im Bachelor an der RWTH und bin seit etwa zweieinhalb Jahren bei Sonnenwagen.

Ende 2017, ich war damals in meinem dritten Bachelor Semester, habe ich in einer Vorlesung von Sonnenwagen Aachen gehört. Ich bin daraufhin zu einer Informationsveranstaltung gegangen und war begeistert. Ich wollte mich außerhalb der Uni technisch engagieren und mich in meinem Themenbereich weiterbilden. Die World Solar Challenge ist eine herausragende ingenieurstechnische Herausforderung, die rund um die Welt begeistert. Ich war sehr froh, als ich bald darauf ins Team aufgenommen worden bin. Meine Aufgabe im letzten Team war der Bordcomputer, die Zeit bei Sonnenwagen hat mein Leben und meinen Charakter nachträglich beeinflusst. Es ist fantastisch Teil eines so ambitionierten Teams zu sein und die World Solar Challenge 2019 war eine einmalige Erfahrung und ich freue mich auf das Rennen in 2021!

Die Elektrotechnik ist ein weites Feld, kannst du kurz erklären, mit was ihr euch bei Sonnenwagen beschäftigt?

Die Hauptaufgabe der Elektrotechnik ist der elektrische Antriebsstrang. Hierbei geht es darum die Energie, die wir über die Solarzellen von der Sonne beziehen können, durch den Motor auf die Straße zu bringen. Dabei speichert die Batterie überschüssige Energie, sodass wir unsere Geschwindigkeit unabhängig von der Sonneneinstrahlung wählen können. Die Bestimmung des Geschwindigkeitsprofils ist Aufgabe der Fahrstrategie. Neben dem Antriebsstrang, müssen noch die Fahrzeuglichter und die elektrische Verkabelung aller Komponenten geplant werden. Der Bordcomputer bearbeitet die Eingaben des Fahrers und steuert alle Komponenten an.

Mit dem Ende der World Solar Challenge und dem anschließenden Rekrutieren eines neuen Teams sind wir jetzt im Beginn der Entwicklung des nächsten Sonnenwagens. Was sind dabei die Aufgaben deiner Abteilung?

Mit dem Covestro Sonnenwagen der letzten Saison können wir auf einem sehr guten elektrischen Gesamtsystem aufbauen. Bereits Anfang des Jahres haben wir ein Design Review jeder einzelnen elektrischen Komponente durchgeführt und Potentiale herausgearbeitet, wie man das System noch effizienter, noch kompakter und noch zuverlässiger auslegen kann. Danach haben wir uns auf die vielversprechenden Möglichkeiten konzentriert und Vorschläge erarbeitet, wie man diese Komponenten verbessern kann. Diese Vorschläge wurden ausgearbeitet und werden nun umgesetzt und getestet.

Der Sonnenwagen ist fertig entwickelt und die Fertigungsphase beginnt. Seid ihr dann fertig?

 

Der Sonnenwagen, wie er als Rennfahrzeug in den Medien auftaucht, ist etwas ganz anderes als der Sonnenwagen aus elektrotechnischer Sicht. Abgesehen von geometrischen Abhängigkeiten und dem Solargenerator ist die Elektrotechnik größtenteils unabhängig von dem Gesamtfahrzeugdesign, an dem die Abteilungen der Aerodynamik, Fahrwerk und Struktur arbeiten. Während der CFK-Fertigung gibt es auch eine Art „elektrotechnische Fertigung“, wo alle Kabel konfektioniert, Ersatzteile aufgebaut und Tests mit immer mehr Komponenten des neuen Sonnenwagens durchgeführt werden.

Wenn schließlich die Solarzellen auf den Wagen aufgebracht werden und alle Komponenten eingebaut und verkabelt werden gibt es den ersten vollständigen Systemtest. Es ist ein sehr spannender Moment, wenn der Sonnenwagen zum ersten Mal zum Leben erwacht.

Worauf freust du dich am meisten in der Saison?

Nach dem nicht viele Mitglieder der letzten Saison im Team geblieben sind, hat sich die Dynamik des Teams vollständig geändert. Ich freue mich sehr darauf, wie wir als Team in der Fertigung zusammenwachsen werden. Auch Corona stellt die gesamte Welt auf eine riesige Probe und im nächsten Jahr auf der anderen Seite der Welt an einem Rennen teilzunehmen, erscheint aktuell so weit entfernt. Am meisten freue ich mich darauf, wenn wir auf australischem Grund landen und wissen: „Wir sind da, es geht los! Jetzt wird uns nichts mehr aufhalten“