Vorstellungen der „Fahrstrategie“

Vorstellungen der „Fahrstrategie“

Hallo Tina, erzähl uns doch mal kurz von dir und wie du zu Sonnenwagen gekommen bist?

Hi, ich bin Tina, 21 Jahre alt und studiere Informatik im 4. Semester an der RWTH. Gebürtig komme ich aus dem Raum Köln und bin vor ungefähr anderthalb Jahren für mein Studium nach Aachen gezogen.

Auf Sonnenwagen bin ich bereits im ersten Semester im Rahmen der studentischen Initiativen hier in Aachen aufmerksam geworden. Damals fehlte aber leider die Zeit sich noch neben dem Studium zu engagieren. Trotzdem stand bereits da für mich fest: ich will auf jeden Fall mal Teil eines solch großartigen Projekts werden. Und als ich dann 2019 das Rennen in Australien über Social Media verfolgt habe, packte mich die Begeisterung für dieses einzigartige Projekt. Eines von über 50 Teams zu sein, das sich der Herausforderung stellt ein Auto zu entwickeln, das alleinig durch die Kraft der Sonne einen kompletten Kontinent durchquert. Und ich kann mich glücklich schätzen jetzt auch ein Teil dieses herausragenden Teams zu sein.

Die Fahrstrategie ist ein weites Feld, kannst du kurz erklären, mit was ihr euch bei Sonnenwagen beschäftigt?

Unsere Hauptaufgabe bei der Fahrstrategie ist es für unseren Wagen den bestmöglichen Weg zum Ziel zu finden. Denn egal wie gut das Fahrzeug konstruiert ist, es bringt uns nichts, wenn wir dann mit einer leeren Batterie am Straßenrand stehen.

Um eben diese optimale Fahrweise zu ermitteln, betrachten wir neben dem Wetter auch das Höhenprofil sowie den genauen Verlauf der Rennstrecke und berechnen mithilfe dieser einen Geschwindigkeitsverlauf. Dieser soll dann vom Fahrer möglichst genau abgefahren werden, um mit der Sonne, die uns zur Verfügung steht, effizient und hoffentlich als erstes Team, ins Ziel zu kommen.

Daraus ergeben sich für uns zahlreiche weitere Aufgaben, wie die Kommunikation mit dem Fahrer und den restlichen Fahrzeugen unseres Konvois während des Rennens oder das Sicherstellen einer halbwegs stabile Internetverbindung im australischen Outback, was sich mitten im Nirgendwo als doch recht knifflige Aufgabe erweisen kann.

Mit dem Ende der World Solar Challenge und dem anschließenden Rekrutieren eines neuen Teams sind wir jetzt im Beginn der Entwicklung des nächsten Sonnenwagens. Was sind dabei die Aufgaben deiner Abteilung?

Aktuell beschäftigen wir uns sehr umfangreich mit der Auswertung der Daten, die wir während des WSC aufgenommen haben. So müssen die aufgezeichneten Streckendaten von Fehlern bereinigt oder Lücken vervollständigt werden, damit wir diese für unsere Berechnungen für das kommende Rennen verwenden können. Das gleiche fällt ebenfalls bei unseren Wettermessungen an.

Gleichzeitig entwickeln wir neue Konzepte oder verbessern die Aktuellen für eine bestmögliche Fahrstrategie. Dazu zählt beispielsweise die Entwicklung eines neuen Funkprotokolls, um die Kommunikation mit dem Fahrer weiter zu verbessern. Das ist vor allem auch sehr relevant für die bald anstehende European Solar Challenge. Aber auch die Evaluation völlig neue Konzepte, wie einem Autopiloten, der das berechnete Geschwindigkeitsprofil noch besser auf die Straße bringen soll, steht für uns aktuell an.

Der Sonnenwagen ist noch nicht designt und entwickelt. Heißt das ihr habt noch frei?

Glücklicherweise nicht. Während die Konzepte für den nächsten Wagen designt werden, arbeiten wir ebenso motiviert an neuen Konzepten für die Fahrstrategie. Denn genauso, wie unser Sonnenwagen müssen diese nach der Entwicklung umfangreich getestet werden.

Auch versuchen wir beim Design des Fahrzeugs mit unseren im letzten Rennen ermittelten Daten bestmöglich zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise die Windverhältnisse während des Rennens. Außerdem kann das Wissen, was es für einen Unterschied macht, wenn der Wagen etwas mehr wiegt, dafür aber ebenfalls eine größere Batterie eingebaut hat, ziemlich praktisch für die Auslegung des Fahrzeugs sein. Solche Fragen zu klären ist ebenfalls unser Job.

Worauf freust du dich am meisten in der Saison?

Ich glaube am meisten freue ich mich auf den Zeitpunkt, wo nach all der harten Arbeit und der Zeit und dem Herzblut, das vom gesamten Team investiert wurde, schlussendlich das Konzept für den neuen Wagen steht und wir mit der Fertigung beginnen können. Spätestens zum Zeitpunkt der Fertigung arbeiten nämlich alle Abteilungen gemeinsam am Projekt und man wächst als Team nochmal ganz anders zusammen. Aber mindestens genauso sehr fiebere ich dem Moment entgegen, wenn das Fahrzeug endlich fertig ist und wir zusammen das Rennen in Australien rocken!