World Solar Challenge 2019: Uns hält nichts auf!

World Solar Challenge 2019: Uns hält nichts auf!

Nach dem gestrigen Schock, war die Stimmung im Team mittlerweile wieder durch pure Motivation geprägt. In der Nacht haben wir nochmal alle kleineren Reparaturen fertiggestellt und zusätzlich ein paar Schönheitsmakel kaschiert, damit der Sonnenwagen in seiner vollen Pracht über die Ziellinie fährt.

In einer relativ kurzen Nacht unter prachtvollen Sternenhimmel bereiteten wir uns auf den möglicherweise letzten Renntag vor und fuhren pünktlich um 8 Uhr wieder los.

Den vorletzten in Glendambo erreichten wir problemlos, großartige Veränderung am Fahrgefühl konnten nicht festgestellt werden. Während des Kontrollstopps wurde von den Offiziellen bzw. den Rennbeobachtern nochmals die Sicherheit für unsere Fahrer nach dem Unfall geprüft und der Sonnenwagen auf weitere Schäden untersucht. Nachdem alle von den Reparaturarbeiten überzeugt waren und uns die Weiterfahrt genehmigt wurde, stieg Oli in den Covestro Sonnenwagen und fuhr gen Port Augusta.

Doch der Unfall hatte wohl doch seine Spuren hinterlassen. Knapp 100km nach dem Checkpoint bemerkte Oli Probleme an den vorderen Stoßdämpfern, die das Fahrgefühl doch etwas beeinträchtigten. Beim Blick unter den Deckel zeigte sich das Problem: Der linke Stoßdämpfer hatte wohl beim Überschlag eine Querkraft erfahren, die zum Defekt der ganzen Federung führte.

Was nach nur einem kleinen Defekt klang, war dann doch eine größere Herausforderung für das Team, die ebenfalls ein Ausscheiden bedeuten könnte. Denn ein Ersatzteil hatten wir leider nicht dabei.

Doch inmitten unserer wachsenden Verzweiflung kam dann doch plötzlich die Rettung: Das Western Sydney Solarcar Team hatte uns am Straßenrand bemerkt und hielt ohne zögern ebenfalls an. Da Sie leider bereits aus dem Rennen ausgeschieden waren, wollten sie alles dafür tun, dass wir es über die Ziellinie in Adelaide schaffen. Kurzerhand arbeiteten zwei Mechanikteams am Covestro Sonnenwagen und glücklicherweise hatten sie sogar ein passendes Ersatzteil dabei. Nur ungefähr eine Stunde verging ehe der Sonnenwagen wieder auf der heißen Straße Australiens war. Diese Stunde reihte sich nahtlos in die vielen schönen Momente dieser World Solar Challenge ein, die jedem bewiesen, dass man eine große „Solar Familie“ ist und miteinander und füreinander kämpft. Für eine saubere und innovativere Zukunft!

Nun ging es mit Vollgas weiter zum letzten Checkpoint in Port Augusta und daraufhin Richtung Adelaide.

Mittlerweile war uns zwar bewusst, dass wir heute nicht mehr in Adelaide ankommen würden. Doch trotzdem war die Atmosphäre im Team großartig! Nach all den Erfahrungen in den vergangenen Tagen wurde uns bewusst, dass uns in der Tat nichts aufhalten konnte! Und wir dieses Rennen beenden würde für uns und symbolisch für alle anderen Teams, die es leider nicht geschafft haben.

 

Knapp 200 km schlugen wir unser letztes Camp auf. Ein letztes Mal gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und sich Geschichten der letzten 4 Tage erzählen, die einem so viel länger vorkamen.